
Mein Hund hört draußen nicht – warum Orientierung wichtiger ist als Kommandos
Zuhause klappt eigentlich alles. Dein Hund kann Sitz, Platz und Bleib, kommt auf Zuruf und schaut dich aufmerksam an.
Kaum seid ihr draußen, sieht die Sache plötzlich ganz anders aus.
Andere Hunde, Gerüche, Menschen, Fahrräder oder ein spannender Weg sind interessanter und dein Hund scheint dich teilweise komplett auszublenden.
Viele Hundehalter versuchen dann, noch mehr über Kommandos zu arbeiten. Der Hund soll bei Fuß gehen, Sitz machen, schauen oder ständig zurückgerufen werden.
Dabei liegt das Problem häufig gar nicht daran, dass der Hund zu wenig Kommandos kennt.
Orientierung beginnt nicht mit einem Kommando
Für einen entspannten Alltag ist es wichtig, dass dein Hund sich auch von sich aus an dir orientiert.
Das bedeutet nicht, dass er beim Spaziergang ständig neben dir laufen oder dich permanent anschauen muss. Ganz im Gegenteil: Ein Hund darf schnüffeln, seine Umwelt erkunden und natürlich auch einfach Hund sein.
Trotzdem sollte er dich dabei nicht komplett vergessen.
Ein gut orientierter Hund schaut zwischendurch nach dir, achtet darauf, wohin du gehst und bleibt auch ohne ständige Ansprache mit dir in Kontakt.
Genau das macht im Alltag einen großen Unterschied.
Woran erkennst du fehlende Orientierung?
Typische Situationen sehen zum Beispiel so aus:
- dein Hund zieht ständig in eine bestimmte Richtung
- du musst ihn beim Spaziergang häufig ansprechen
- draußen reagiert er deutlich schlechter auf bekannte Signale
- andere Hunde oder Gerüche sind sofort wichtiger
- dein Hund läuft an der Schleppleine immer bis zum Ende
- du hast das Gefühl, ständig etwas von deinem Hund verlangen zu müssen
- ohne Leine entfernt sich dein Hund immer weiter
Oft hat sich dieses Verhalten über längere Zeit eingeschlichen.
Der Mensch achtet auf den Hund, ruft ihn, wartet auf ihn, läuft ihm hinterher oder erinnert ihn ständig daran, wo er eigentlich hin soll.
Der Hund dagegen muss kaum darauf achten, was sein Mensch macht.
Weniger reden kann manchmal mehr sein
Wir Menschen reden sehr viel mit unseren Hunden.
„Komm“, „hier“, „weiter“, „warte“, „langsam“, der Name des Hundes und zwischendurch noch ein paar gut gemeinte Hinweise.
Irgendwann wird daraus für manche Hunde ein ziemliches Hintergrundrauschen.
Im Orientierungstraining arbeiten wir deshalb auch mit Übungen, bei denen bewusst weniger gesprochen wird. Der Hund soll selbst anfangen darauf zu achten:
Wo ist mein Mensch eigentlich und was macht er?
Dazu können zum Beispiel Richtungswechsel gehören oder Übungen, bei denen der Hund lernt, einen bestimmten Radius einzuhalten.
Wichtig ist dabei, dass wir nicht erst reagieren, wenn der Hund schon komplett mit etwas anderem beschäftigt ist.
Orientierung ist auch beim Rückruf wichtig
Ein sicherer Rückruf beginnt für mich nicht erst in dem Moment, in dem ich meinen Hund rufe.
Hat ein Hund beim Spaziergang überhaupt keinen Kontakt mehr zu seinem Menschen und ist gedanklich nur noch bei seiner Umwelt, wird auch der Rückruf unter Ablenkung deutlich schwieriger.
Deshalb lohnt es sich, zunächst an der grundsätzlichen Orientierung zu arbeiten.
Ein Hund, der gelernt hat auf seinen Menschen zu achten, ist häufig viel leichter erreichbar – auch wenn es draußen gerade spannend wird.
Muss mein Hund mich ständig anschauen?
Nein.
Das wäre weder mein Ziel noch meine Vorstellung von einem entspannten Spaziergang.
Ein Hund soll seine Umwelt wahrnehmen dürfen. Er darf schnüffeln, laufen und entdecken.
Entscheidend ist die Balance.
Du achtest auf deinen Hund – und dein Hund lernt gleichzeitig, auch auf dich zu achten.

Orientierung kann man lernen
Manche Hunde bringen von sich aus sehr viel Orientierung am Menschen mit, andere deutlich weniger. Auch Alter, Erfahrungen, Rasse, Charakter und natürlich das bisherige Training spielen dabei eine Rolle.
Gerade bei jungen Hunden verändert sich während der Pubertät häufig einiges. Plötzlich wird die Umwelt spannender und der Mensch scheinbar etwas unwichtiger.
Das bedeutet aber nicht, dass man sich damit abfinden muss.
Mit passenden Übungen kann dein Hund Schritt für Schritt lernen, draußen wieder mehr auf dich zu achten.
Wichtig ist dabei vor allem, nicht erst dann mit dem Training anzufangen, wenn die Ablenkung bereits viel zu groß ist.
Unser Ziel: Gemeinsam unterwegs sein
Bei uns in der Hundeschule Stubenwölfe in Neuried bei München ist Orientierung deshalb ein wichtiger Bestandteil des Trainings.
Denn am Ende geht es nicht darum, dass ein Hund möglichst viele Kommandos beherrscht.
Unser Ziel ist ein Hund, der sich im Alltag an seinem Menschen orientieren kann und gleichzeitig genügend Freiheiten bekommt, einfach Hund zu sein.
Genau diese Mischung macht für uns einen entspannten gemeinsamen Alltag aus.
